Sonntag, 10. Mai 2009
Tag 20 (19.04.2009) - Museum Nasional
Neben dem Merdeka Square, in dessen Mitte das Monas steht, befindet sich das Museum Nasional, also das Nationalmuseum. Am besten kommt man dort mit dem Transjakarta der Route 1 (Koridor 1 – Blok M/Kota) hin, die Haltestelle heißt praktischerweise Monumen Nasional.
1817 von den niederländischen Besatzern im Kolonialstil errichtet, beherbergt der ursprüngliche Teil des Museums eine unüberschaubare Sammlung an Zeugnissen indonesischer Kultur, Masken, Tontöpfe, Schwerter, Kleider, Instrumente etc.). Auch eine Sammlung von typischen indonesischen Hütten im Miniaturformat kann bestaunt werden. Der moderne angebaute Teil enthält einige Schaukästen zur Menschheitsgeschichte (nein, wir stammen nicht vom Affen ab, auch wenn einige Anti-Islam-Konferenz-Teilnehmer diesen Verdacht untermauern; wir haben nur dieselben Vorfahren), Keramiken etc.
Am Eingang zahlt man 1.000 IDR (ca. 0,07 €) Eintritt und gibt seine Tasche ab. Wie überall in den Museen Jakartas ist Fotografieren tabu, es geht hier auch nicht um eventuelle Beeinträchtigungen durch Blitzlicht. Dies wäre unternehmerisch ja durchaus als clever anzusehen, würden Postkarten oder Fotografien mit den entsprechenden Motiven angeboten. Leider werden aber sowohl am Eingang als auch im Museumsshop – der allerlei Kitsch und auch ein paar interessante Geschichtsbücher enthält – nur überteuerte und schlechte Motive von Gebäuden in Jakarta angeboten. Dies ist besonders schade, da einige Ausstellungsstücke – gerade die aus Bali – sehr interessant sind und definitiv Lust auf mehr hervorrufen.
Diverse Kultureinrichtungen bieten Führungen in Englisch, Deutsch, Französisch und auch Japanisch an, die dafür eingerichteten Termine kann man unter anderen den Kleinanzeigen in der Jakarta Post entnehmen. Es ist natürlich dennoch etwas merkwürdig, wenn man gleich am ersten Ausstellungsstück, einer riesigen Karte von Indonesien, von einem Lehrer der Deutschen Internationalen Schule mit vielen kleinen Indonesiern im Schlepptau überholt wird und deutsche Töne mit bayerischen Akzent zu hören bekommt. Ansonsten hört man hier seltener deutsche Klänge außerhalb des Botschaftsgeländes, bei ca. 1.200 Deutschen auf ganz Jakarta verteilt, die meist im südlichen Stadtteil Kemang beheimatet sind, auch nicht besonders verwunderlich. Im Nationalmuseum selbst halten sich indonesische und ausländische Besucher so ziemlich die Waage. Interessant erscheint mir der Umstand, dass generell in Museen unter den indonesischen Besuchern der Anteil an Frauen haushoch überwiegt. Das Interesse an Kultur scheint hier eindeutig verteilt zu sein…
Da man als Europäer in Indonesien natürlich grundsätzlich auffällt und interessant ist, hatte ich nach weniger als zwei Minuten eine kleine Gruppe noch kleinerer Studenten an der Backe. Da man wie schon in einem der vorherigen Beiträge lesen konnte, ist man als Deutscher grundsätzlich recht beliebt in Indonesien. Das hat weniger damit zu tun, dass unsere niederländischen Nachbarn und Fußballrivalen hier wie die Barbaren gewütet haben, sondern beruht zum einen auf der erkennbaren Wertschätzung der deutschen Außenpolitik und vor allen Dingen der wahrgenommenen deutschen Aufbauhilfe, die hier vor allem durch die GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) und Inwent vorangetrieben wird. Dass Deutschland unter Kanzler Schröder nicht bereit war, sich an dem völkerrechtswidrigen Krieg im Irak zu beteiligen, wird hier zusätzlich honoriert, darauf wird man tatsächlich oft angesprochen; dass der BND im Hintergrund dennoch ordentlich mitgemischt hat, ist hier kaum jemandem bewusst.
Indonesische Studenten zeichnen sich durch eine enorme Wissbegierde aus, was darin gipfelte, dass einer der Studenten alles, ja wirklich alles über Heidelberg wissen wollte. Auslöser dieses Interesses war ein Buch, dass er im Literaturkurs besprochen hatte, dessen Handlung zum Teil in Heidelberg spielt. Dass ich tatsächlich ein wenig über Heidelberg erzählen konnte, hat dann zu Begeisterungsstürmen geführt. Mit Hilfe der auf meinem Handy installierten mobilen Version der Wikipedia (passt mit 1GB auf praktisch jedes neuere Smartphone) konnte ich sogar sämtliche Fragen beantworten. Das Interesse an Deutschland im Allgemeinen ist auch ziemlich groß.
Nach der kleinen Fragestunde – tatsächlich knapp eine Stunde – habe ich mir dann hauptsächlich die Ausstellungsstücke aus Bali angesehen. Auf den ersten Blick wirken die traditionellen Masken und Gewänder schon ein wenig befremdlich und man fragt sich, wie Menschen nur auf so etwas kommen. Andererseits sind die Gewänder unserer Würdenträger der Kirchen, Anwälte, Richter etc. und unsere Karnevalsverkleidungen aber auch nicht wirklich weniger merkwürdig. An der Vielfalt der regional unterschiedlichen Masken, Kleidern etc. sieht man, wie vielfältig Indonesien ist. Bei einem 5.000 Km breiten Archipel mit 18.000 Inseln, von denen ca. 12.000 bewohnt sind, aber kein wirkliches Wunder.
Der neuere Teil des Museums enthält wie schon erwähnt Teile der Menschheitsgeschichte und aber auch interessante Dokumente zur Entwicklung der indonesischen Sprache Bahasa Indonesia (wörtlich übersetzt: Sprache Indonesien), die für viele Indonesier gar nicht die Muttersprache ist. Allein auf Java leben ca. 60 verschiedene Ethnien mit eigenen Sprachen. Bahasa Indonesia kann aber praktisch jeder Indonesier sprechen. Da man das Bürgermeisteramt in Indonesien nur dann bekleiden kann, wenn man dieser Sprache mächtig ist, kann in jedem Dorf also mindestens eine Person Indonesisch. Auch eine kleine Geschichte der Entwicklung des indonesischen Rechtssystems wird dargestellt, das Strafrecht zum Beispiel ist immer noch niederländischer Herkunft.
In dem Museum kann man durchaus Tage verbringen, nach ca. 3 Stunden war für mich aber auch wieder Schluss, da ich einerseits Hunger hatte, andererseits auch noch mein geliebtes Fitnessstudio besuchen wollte.
Wer europäisches Essen haben möchte, bekommt dies auf sehr ordentlichem Niveau im Harvey Nicols Social House in der East Mall des Grand Indonesia. Unter der Woche lohnt sich hier das Mittagsmenü mit einer Vorspeisensuppe (oder auch Salat) und Pizza oder Pasta nach Wahl für 72.000 IDR (ca. 5 €). Weinliebhaber kommen hier für 25 – 100 € pro Flasche auch auf ihre Kosten.
Den Tag habe ich dann mit dem Livestream der Bundeligaspiele ausklingen lassen, eine für mich als FC-Fan in dieser Zeit eher unerfreuliche Beschäftigung. Mittlerweile wissen wir ja, dass der FC praktisch gerettet ist, daher kann man dies wieder sorgenfrei genießen…
1817 von den niederländischen Besatzern im Kolonialstil errichtet, beherbergt der ursprüngliche Teil des Museums eine unüberschaubare Sammlung an Zeugnissen indonesischer Kultur, Masken, Tontöpfe, Schwerter, Kleider, Instrumente etc.). Auch eine Sammlung von typischen indonesischen Hütten im Miniaturformat kann bestaunt werden. Der moderne angebaute Teil enthält einige Schaukästen zur Menschheitsgeschichte (nein, wir stammen nicht vom Affen ab, auch wenn einige Anti-Islam-Konferenz-Teilnehmer diesen Verdacht untermauern; wir haben nur dieselben Vorfahren), Keramiken etc.
Am Eingang zahlt man 1.000 IDR (ca. 0,07 €) Eintritt und gibt seine Tasche ab. Wie überall in den Museen Jakartas ist Fotografieren tabu, es geht hier auch nicht um eventuelle Beeinträchtigungen durch Blitzlicht. Dies wäre unternehmerisch ja durchaus als clever anzusehen, würden Postkarten oder Fotografien mit den entsprechenden Motiven angeboten. Leider werden aber sowohl am Eingang als auch im Museumsshop – der allerlei Kitsch und auch ein paar interessante Geschichtsbücher enthält – nur überteuerte und schlechte Motive von Gebäuden in Jakarta angeboten. Dies ist besonders schade, da einige Ausstellungsstücke – gerade die aus Bali – sehr interessant sind und definitiv Lust auf mehr hervorrufen.
Diverse Kultureinrichtungen bieten Führungen in Englisch, Deutsch, Französisch und auch Japanisch an, die dafür eingerichteten Termine kann man unter anderen den Kleinanzeigen in der Jakarta Post entnehmen. Es ist natürlich dennoch etwas merkwürdig, wenn man gleich am ersten Ausstellungsstück, einer riesigen Karte von Indonesien, von einem Lehrer der Deutschen Internationalen Schule mit vielen kleinen Indonesiern im Schlepptau überholt wird und deutsche Töne mit bayerischen Akzent zu hören bekommt. Ansonsten hört man hier seltener deutsche Klänge außerhalb des Botschaftsgeländes, bei ca. 1.200 Deutschen auf ganz Jakarta verteilt, die meist im südlichen Stadtteil Kemang beheimatet sind, auch nicht besonders verwunderlich. Im Nationalmuseum selbst halten sich indonesische und ausländische Besucher so ziemlich die Waage. Interessant erscheint mir der Umstand, dass generell in Museen unter den indonesischen Besuchern der Anteil an Frauen haushoch überwiegt. Das Interesse an Kultur scheint hier eindeutig verteilt zu sein…
Da man als Europäer in Indonesien natürlich grundsätzlich auffällt und interessant ist, hatte ich nach weniger als zwei Minuten eine kleine Gruppe noch kleinerer Studenten an der Backe. Da man wie schon in einem der vorherigen Beiträge lesen konnte, ist man als Deutscher grundsätzlich recht beliebt in Indonesien. Das hat weniger damit zu tun, dass unsere niederländischen Nachbarn und Fußballrivalen hier wie die Barbaren gewütet haben, sondern beruht zum einen auf der erkennbaren Wertschätzung der deutschen Außenpolitik und vor allen Dingen der wahrgenommenen deutschen Aufbauhilfe, die hier vor allem durch die GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) und Inwent vorangetrieben wird. Dass Deutschland unter Kanzler Schröder nicht bereit war, sich an dem völkerrechtswidrigen Krieg im Irak zu beteiligen, wird hier zusätzlich honoriert, darauf wird man tatsächlich oft angesprochen; dass der BND im Hintergrund dennoch ordentlich mitgemischt hat, ist hier kaum jemandem bewusst.
Indonesische Studenten zeichnen sich durch eine enorme Wissbegierde aus, was darin gipfelte, dass einer der Studenten alles, ja wirklich alles über Heidelberg wissen wollte. Auslöser dieses Interesses war ein Buch, dass er im Literaturkurs besprochen hatte, dessen Handlung zum Teil in Heidelberg spielt. Dass ich tatsächlich ein wenig über Heidelberg erzählen konnte, hat dann zu Begeisterungsstürmen geführt. Mit Hilfe der auf meinem Handy installierten mobilen Version der Wikipedia (passt mit 1GB auf praktisch jedes neuere Smartphone) konnte ich sogar sämtliche Fragen beantworten. Das Interesse an Deutschland im Allgemeinen ist auch ziemlich groß.
Nach der kleinen Fragestunde – tatsächlich knapp eine Stunde – habe ich mir dann hauptsächlich die Ausstellungsstücke aus Bali angesehen. Auf den ersten Blick wirken die traditionellen Masken und Gewänder schon ein wenig befremdlich und man fragt sich, wie Menschen nur auf so etwas kommen. Andererseits sind die Gewänder unserer Würdenträger der Kirchen, Anwälte, Richter etc. und unsere Karnevalsverkleidungen aber auch nicht wirklich weniger merkwürdig. An der Vielfalt der regional unterschiedlichen Masken, Kleidern etc. sieht man, wie vielfältig Indonesien ist. Bei einem 5.000 Km breiten Archipel mit 18.000 Inseln, von denen ca. 12.000 bewohnt sind, aber kein wirkliches Wunder.
Der neuere Teil des Museums enthält wie schon erwähnt Teile der Menschheitsgeschichte und aber auch interessante Dokumente zur Entwicklung der indonesischen Sprache Bahasa Indonesia (wörtlich übersetzt: Sprache Indonesien), die für viele Indonesier gar nicht die Muttersprache ist. Allein auf Java leben ca. 60 verschiedene Ethnien mit eigenen Sprachen. Bahasa Indonesia kann aber praktisch jeder Indonesier sprechen. Da man das Bürgermeisteramt in Indonesien nur dann bekleiden kann, wenn man dieser Sprache mächtig ist, kann in jedem Dorf also mindestens eine Person Indonesisch. Auch eine kleine Geschichte der Entwicklung des indonesischen Rechtssystems wird dargestellt, das Strafrecht zum Beispiel ist immer noch niederländischer Herkunft.
In dem Museum kann man durchaus Tage verbringen, nach ca. 3 Stunden war für mich aber auch wieder Schluss, da ich einerseits Hunger hatte, andererseits auch noch mein geliebtes Fitnessstudio besuchen wollte.
Wer europäisches Essen haben möchte, bekommt dies auf sehr ordentlichem Niveau im Harvey Nicols Social House in der East Mall des Grand Indonesia. Unter der Woche lohnt sich hier das Mittagsmenü mit einer Vorspeisensuppe (oder auch Salat) und Pizza oder Pasta nach Wahl für 72.000 IDR (ca. 5 €). Weinliebhaber kommen hier für 25 – 100 € pro Flasche auch auf ihre Kosten.
Den Tag habe ich dann mit dem Livestream der Bundeligaspiele ausklingen lassen, eine für mich als FC-Fan in dieser Zeit eher unerfreuliche Beschäftigung. Mittlerweile wissen wir ja, dass der FC praktisch gerettet ist, daher kann man dies wieder sorgenfrei genießen…
Freitag, 1. Mai 2009
Offtopic 2 - Indonesien und die Schweinegrippe
Da der südostasiatische Raum bei der Vogelgrippenpandemie empfindlich getroffen worden ist, besteht grundsätzlich eine besondere Sensibilität in Bezug auf neue Pandemien.
Die mediale Aufbereitung des Themas nimmt bisweilen skurrile Züge an. Aussagen wie die der Gesundheitsministerin, dass die Grippeviren in Indonesien aufgrund der hohen Temperaturen keine Chance hätten, übersehen natürlich, dass weder die Vogelgrippeviren damit Probleme hatten, noch Mexiko für seine Eiseskälte bekannt sein dürfte. Abgesehen von diesem eher unter den Punkt "Fehlinformation zur Beruhigung" abzuhakenden Fauxpas schwankt die Berichterstattung zwischen "nüchtern seriös" und "abwegig", teilweise auf der gleichen Seite einer Zeitung. So berichtet die Jakarta Post in einem Bericht vollkommen widersinnig über die Standorte von Schweinefarmen, um im Parallelbericht darauf hinzuweisen, dass weder indonesische Schweine Träger des Virus sind, noch der Verzehr von Schweinefleisch - außer religiös bedingt - gefährlich sei. In dem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die überwiegend (~90 %) muslimische Bevölkerung schon ein wenig genußvoll registriert, dass das unreine und von Christen gehaltene wie auch verzehrte Vieh wohl Ausgangspunkt des aktuellen Grippevirus ist. In Teilen Indonesiens wurden von regionalen Behörden schon Schweinemastbetriebe geschlossen, da sie über keine ausreichende Genehmigung verfügten, was bisher über Jahre hinweg niemanden gestört hatte.
Ansonsten haben die Vorbereitungen natürlich auch hier begonnen. Da vor Ort mehrere Pharmagiganten ihre Anlagen stehen haben, ist die Produktion von Grippemitteln grundsätzlich unproblematisch. Arme Leute, die kein Geld für den Arzt haben, werden bei Grippesymptomen unter Vorlage entsprechender Dokumente in den Krankenhäusern kostenlos behandelt. Bisher ist aber noch kein einziger Fall in Indonesien aufgetreten. Sobald dies der Fall sein wird, dürfte in Jakarta der Teufel los sein, da die Bevölkerungsdichte hier ca. 5 mal so hoch ist wie zum Beispiel in Berlin und die hygienischen Verhältnisse bei der überwiegenden Bevölkerung nicht mit westlichen Standards zu vergleichen sind. Nicht das Virus an sich, sondern die Zahl der behandlungsbedürftigen Patienten wäre das Problem des Grippeausbruchs in Indonesien.
Ansonsten vermisse ich auch hier - wie bei meiner oberflächlichen Übersicht über deutsche Medienberichte - den Hinweis darauf, was die Pandemiestufen eigentlich bedeuten, vor allen Dingen aber, was sie nicht bedeuten. Die Pandemiestufen beziehen sich auf die Art der Verbreitung, nicht aber auf die Gefährlichkeit des Virus. An einem plastischen Beispiel festgemacht: Wenn ein vollkommen harmloser, vielleicht einen Tag Übelkeit verursachender, Virus weltweit von Mensch zu Mensch verbreitet wird, muss die WHO die entsprechende Pandemiestufe 6 ausrufen. Sterben lokal begrenzt alle im Umkreis einer bestimmten Krankheitsquelle lebenden Menschen, passiert bezogen auf eine Pandemiestufe natürlich rein gar nichts. Die Gefährlichkeit des Virus wird ja bisher eher als gering eingestuft, wobei immer gewisse Mutationsgefahren zu berücksichtigen wären...
Die mediale Aufbereitung des Themas nimmt bisweilen skurrile Züge an. Aussagen wie die der Gesundheitsministerin, dass die Grippeviren in Indonesien aufgrund der hohen Temperaturen keine Chance hätten, übersehen natürlich, dass weder die Vogelgrippeviren damit Probleme hatten, noch Mexiko für seine Eiseskälte bekannt sein dürfte. Abgesehen von diesem eher unter den Punkt "Fehlinformation zur Beruhigung" abzuhakenden Fauxpas schwankt die Berichterstattung zwischen "nüchtern seriös" und "abwegig", teilweise auf der gleichen Seite einer Zeitung. So berichtet die Jakarta Post in einem Bericht vollkommen widersinnig über die Standorte von Schweinefarmen, um im Parallelbericht darauf hinzuweisen, dass weder indonesische Schweine Träger des Virus sind, noch der Verzehr von Schweinefleisch - außer religiös bedingt - gefährlich sei. In dem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die überwiegend (~90 %) muslimische Bevölkerung schon ein wenig genußvoll registriert, dass das unreine und von Christen gehaltene wie auch verzehrte Vieh wohl Ausgangspunkt des aktuellen Grippevirus ist. In Teilen Indonesiens wurden von regionalen Behörden schon Schweinemastbetriebe geschlossen, da sie über keine ausreichende Genehmigung verfügten, was bisher über Jahre hinweg niemanden gestört hatte.
Ansonsten haben die Vorbereitungen natürlich auch hier begonnen. Da vor Ort mehrere Pharmagiganten ihre Anlagen stehen haben, ist die Produktion von Grippemitteln grundsätzlich unproblematisch. Arme Leute, die kein Geld für den Arzt haben, werden bei Grippesymptomen unter Vorlage entsprechender Dokumente in den Krankenhäusern kostenlos behandelt. Bisher ist aber noch kein einziger Fall in Indonesien aufgetreten. Sobald dies der Fall sein wird, dürfte in Jakarta der Teufel los sein, da die Bevölkerungsdichte hier ca. 5 mal so hoch ist wie zum Beispiel in Berlin und die hygienischen Verhältnisse bei der überwiegenden Bevölkerung nicht mit westlichen Standards zu vergleichen sind. Nicht das Virus an sich, sondern die Zahl der behandlungsbedürftigen Patienten wäre das Problem des Grippeausbruchs in Indonesien.
Ansonsten vermisse ich auch hier - wie bei meiner oberflächlichen Übersicht über deutsche Medienberichte - den Hinweis darauf, was die Pandemiestufen eigentlich bedeuten, vor allen Dingen aber, was sie nicht bedeuten. Die Pandemiestufen beziehen sich auf die Art der Verbreitung, nicht aber auf die Gefährlichkeit des Virus. An einem plastischen Beispiel festgemacht: Wenn ein vollkommen harmloser, vielleicht einen Tag Übelkeit verursachender, Virus weltweit von Mensch zu Mensch verbreitet wird, muss die WHO die entsprechende Pandemiestufe 6 ausrufen. Sterben lokal begrenzt alle im Umkreis einer bestimmten Krankheitsquelle lebenden Menschen, passiert bezogen auf eine Pandemiestufe natürlich rein gar nichts. Die Gefährlichkeit des Virus wird ja bisher eher als gering eingestuft, wobei immer gewisse Mutationsgefahren zu berücksichtigen wären...
Reisetip 4 - Fitnessstudio in Jakarta
Wie man meinem vorherigen Beitrag entnehmen kann, bin ich dem Fitness First beigetreten. Die Kette ist in den meisten Luxusmalls der Stadt vertreten und bietet maßgeschneiderte Verträge an. Die Einmonatsmitgliedschaft ist mit umgerechnet 60 € ziemlich teuer, die Dreimonatsmitgliedschaft mit pauschal ca. 125 € akzeptabel, die dauerhafte (1 Jahr mit Verlängerung bei nicht rechtzeitiger Kündigung) Mitgliedschaft mit 35-40 € im Monat recht günstig, wenn man dies mit den Preisen der Kette in Deutschland vergleicht. Warum schreibe ich dies? Ganz einfach, als Mitglied in einem Studio bekommt man den "International Passport", mit dem man weltweit in den Fitness First Studios trainieren kann. Wer also ein Studio in seiner Nähe hat (deutsche Homepage), kann sich ja mal nach den ortsüblichen Beiträgen erkundigen. In Jakarta kann man natürlich eine dauerhafte Mitgliedschaft abschließen, die Preisersparnis dürfte recht hoch sein...
Tag 19 (18.04.2009) - Fitness First
Nachdem ich sämtliche Probleme mit der Einstellung des Magen-Darmbereichs auf die südostasiatische Küche überstanden habe, bin ich erstmals seit Monaten des quälenden - aber leider notwendigen - Sportverzichts wieder ins Fitnessstudio gegangen. Das hier im Grand Indonesia vertretene Studio gehört zu der weltweit - auch in Deutschland - vertretenen Gruppe Fitness First, hier sogar in Gestalt eines Platinum-Studios.
Ausgestattet mit modernsten Geräten, einem Pool auf dem Dach, Dampfbad und Sauna, gehört es natürlich in die gehobene Kategorie von Fitnessstudios. Das bedeutet natürlich auch, dass hier nur reiche Indonesier Mitglied sind, was man vor allen daran merkt, dass fast alle fließend englisch sprechen, was bei den anderen Bevölkerungsschichten eher unüblich ist.
Auffallend und typisch für diese Breitengerade sind zwei Dinge:
Erstens ist in Jakarta zu beobachten, dass hier wahre Prunkbauten aufgestellt werden, kleinere - im Laufe der Zeit auftretene - Abnutzungserscheinungen jedoch hingenommen werden. So fehlen bei mindestens drei der vielen Duschkabinen die Schieber zum Abschließen, was jedoch einfach so belassen wird, obwohl kein Indonesier hier eine nicht abschließbare Duschkabine benutzt (nur am Rande: Unter- und Badehose werden entweder in der Duschkabine oder aber "unter" dem Handtuch gewechselt, die meisten gehen mit Badehose ins Dampfbad); weitere Beispiele sind lockere Wasserhähne, die mit einer einfachen Rohrzange wieder festzudrehen wären.
Zweitens wird hier im Namen des Servicegedanken auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Personal Trainer und Kunden wert gelegt. Das ist wörtlich zu nehmen, so dass außerhalb der Phase von ca. 19 -21 Uhr, in der es rappelvoll wird, auf praktisch jedes Mitglied ein Personal Trainer kommt. Ungewöhnlich ist, dass diese Trainer - allesamt sehr fachkundig und auch gut Englisch sprechend - oft derart in den Trainingsbetrieb eingreifen, dass sie Mitgliedern, die mit ihrer Kraft am Ende sind, bei den letzten Ausführungen ihrer Übungen unter die Arme greifen; in meinen Augen ein wenig unpassend, da jeder das Gewicht nehmen sollte, was er auch selber schafft. Der Indonesier an sich gibt aber ungerne zu, dass er sich übernommen hat, so dass er entweder die Gewichte hektisch reisst oder aber sich unter die Arme greifen lässt, um sich dann später mit "fremden Federn" schmücken zu können; man kann "den" trainierenden Indonesier also als eine Art sportlichen Schramma charakterisieren...
Nach einem ausgiebigen Training - ich wundere mich über den schnellen Fortschritt, den mein operiertes Knie macht - war es eine Wonne, bei angenehmen 25 Grad im Pool ein paar Runden zu drehen und dabei auf die nächtliche Skyline von Jakarta zu blicken. Das anschließende Dampfbad war ähnlich gut...
Ausgestattet mit modernsten Geräten, einem Pool auf dem Dach, Dampfbad und Sauna, gehört es natürlich in die gehobene Kategorie von Fitnessstudios. Das bedeutet natürlich auch, dass hier nur reiche Indonesier Mitglied sind, was man vor allen daran merkt, dass fast alle fließend englisch sprechen, was bei den anderen Bevölkerungsschichten eher unüblich ist.
Auffallend und typisch für diese Breitengerade sind zwei Dinge:
Erstens ist in Jakarta zu beobachten, dass hier wahre Prunkbauten aufgestellt werden, kleinere - im Laufe der Zeit auftretene - Abnutzungserscheinungen jedoch hingenommen werden. So fehlen bei mindestens drei der vielen Duschkabinen die Schieber zum Abschließen, was jedoch einfach so belassen wird, obwohl kein Indonesier hier eine nicht abschließbare Duschkabine benutzt (nur am Rande: Unter- und Badehose werden entweder in der Duschkabine oder aber "unter" dem Handtuch gewechselt, die meisten gehen mit Badehose ins Dampfbad); weitere Beispiele sind lockere Wasserhähne, die mit einer einfachen Rohrzange wieder festzudrehen wären.
Zweitens wird hier im Namen des Servicegedanken auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Personal Trainer und Kunden wert gelegt. Das ist wörtlich zu nehmen, so dass außerhalb der Phase von ca. 19 -21 Uhr, in der es rappelvoll wird, auf praktisch jedes Mitglied ein Personal Trainer kommt. Ungewöhnlich ist, dass diese Trainer - allesamt sehr fachkundig und auch gut Englisch sprechend - oft derart in den Trainingsbetrieb eingreifen, dass sie Mitgliedern, die mit ihrer Kraft am Ende sind, bei den letzten Ausführungen ihrer Übungen unter die Arme greifen; in meinen Augen ein wenig unpassend, da jeder das Gewicht nehmen sollte, was er auch selber schafft. Der Indonesier an sich gibt aber ungerne zu, dass er sich übernommen hat, so dass er entweder die Gewichte hektisch reisst oder aber sich unter die Arme greifen lässt, um sich dann später mit "fremden Federn" schmücken zu können; man kann "den" trainierenden Indonesier also als eine Art sportlichen Schramma charakterisieren...
Nach einem ausgiebigen Training - ich wundere mich über den schnellen Fortschritt, den mein operiertes Knie macht - war es eine Wonne, bei angenehmen 25 Grad im Pool ein paar Runden zu drehen und dabei auf die nächtliche Skyline von Jakarta zu blicken. Das anschließende Dampfbad war ähnlich gut...
Tage 15 bis 18 (14.-17.04.2009) - nichts passiert
Die Arbeit in der Botschaft nimmt langsam Fahrt auf, da die vielen an Dengue erkrankten oder aber im Urlaub befindlichen MitarbeiterInnen so nach und nach eintrudeln und ich daher auch interessante Projekte mit begleiten kann. Leider unterfallen sämtliche Projekte der Geheimhaltung, so dass ich dazu leider gar nichts sagen darf.
Sonntag, 19. April 2009
Reisetip 3 - Fortbewegung innerhalb Jakartas
In Jakarta gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, sich innerhalb der Stadt fortzubewegen: Taxi, Bus und Motorrad (zu Fuß geht man wirklich nur die ganz kurzen Strecken).
Letzteres wird an jeder Ecke als Mitfahrgelegenheit angeboten, sollte aber gemieden werden; die Art und Weise, wie hier auf zwei Rädern eigenverantwortliche Selbstgefährdung betrieben wird, ist nichts für schwache Nerven. Selbst die Taxifahrer, also die Rüpel unter den Vierradfahrern, sehen die Motorradfahrer als größtes Problem im Straßenverkehr an. Die meisten Unfälle passieren dementsprechend unter Beteiligung der Motorradfahrer; und wenn die mit einem Transjakarta-Bus kollidieren, dann ist der Ausgang in der Regel nicht gerade glimpflich.
Die Stadt wimmelt nur so vor Taxis, manchmal hat man das Gefühl, hier kommt auf jeden Einwohner ein Taxi. Die meisten Strecken wird man dann auch mit dem Taxi zurücklegen, da Taxifahren für unsere Verhältnisse mit 6.000 IDR (ca. 0,40 €) für den ersten Kilometer und 300 IDR (ca. 0,02 €) für je 100 Meter nach dem ersten Kilometer spottbillig ist. Allerdings muss man hier auf zwei Dinge achten: Zum einen sollte man tatsächlich, wie in sämtlichen Reiseführern empfohlen, nur auf die Taxis der Blue Bird Group zurückgreifen (laut Einheimischen sind auch die Taxis von Taxi Express akzeptabel). Viele der anderen Taxiunternehmen haben entweder kein Taxameter bzw. keine wirklich verkehrstauglichen Autos und Fahrer. Nach übereinstimmenden Berichten fahren die Fahrer oft riesige Umwege oder lassen einen irgendwo raus, wo man gar nicht hin wollte; die Straßennamen der kleineren und auch mittelgroßen Straßen zu kennen scheint ein Glücksfall zu sein. Die Blue Birds hingegen sind in der Regel zuverlässig. Da aber auch diese Taxifahrer nicht jede Straße oder Gegend in Jakarta kennen (können), sollte man zum anderen auch selbst eine räumliche Vorstellung davon haben, wo es denn hingehen soll. Daher kann ich nur empfehlen, immer eine Karte dabei zu haben, um dem Fahrer ein wenig auf die Sprünge helfen zu können. Dass hier jemand beim ersten Anfragen offen zugibt, dass er den Weg nicht kennt, ist selten (mir nur einmal passiert). Das kann schonmal dazu führen, dass man dem Taxifahrer als Neuankömmling in Jakarta mit Händen und Füßen den Weg weist. Die oben genannten Preise gelten tatsächlich nur für die Blue Birds, das sind die blauen Taxis der Blue Bird Group. Wer es komfortabler haben möchte, bekommt von diesem Unternehmen auch Silver Birds angeboten. Diese schwarzen Mercedes-Limousinen kosten ca. 50% mehr, als Mercedes-Fan im doppelten Sinn weiß ich den zusätzlichen Luxus jedoch von Zeit zu Zeit zu schätzen...
In und um Jakarta kommt man auch sehr gut mit Bussen an sein Ziel. Da ich bei weitem noch nicht das Busnetz erfasst habe, beschränke ich mich hier zunächst auf die Transjakarta-Busse. Da man eingesehen hat, dass der Straßenverkehr und auch der ÖPNV nicht mehr funktionierte, wurden vor ca. 5 Jahren die Transjakarta-Buslinien eingeführt. Diese modernen Busse haben eine eigene Spur und fahren daher (bis auf die Kreisverkehre) an jedem Stau vorbei. In die Busse, die den Einstieg ca. einen Meter über dem Boden haben, gelangt man über Bussteige in der Mitte der Fahrbahn. Die Busse folgen keinem festen zeitlichen Fahrplan, man wartet aber selten länger als zwei bis drei Minuten. Die Fahrt im gesamten Streckennetz kostet einheitlich 3.500 IDR (ca. 0,25 €). Da das System als Erfolg angesehen wird, wird das bestehende Netz aus zurzeit acht Linien stetig ausgebaut, derzeit sind weitere sechs Linien in Planung.
Zum Verkehr im Allgemeinen ist zu sagen, dass Verkehrsregeln, wie wir sie kennen, zwar auf dem Papier existieren, faktisch aber außer Kraft gesetzt sind. Hier werden eigentlich nur zwei Regeln angewandt: Man hält tatsächlich an roten Ampeln und jeder Verkehrsteilnehmer ist für den Bereich vor sich zuständig, dass heisst in den Rückspiegel sehen ist hier nicht drin. Als Fußgänger muss man mit der Zeit feststellen, wie dreist man auf die Straße gehen kann, ohne umgenietet zu werden; das ist Erfahrungssache und stellt sich nach ein paar Tagen ein. Dabei darf man sich nicht vom wild hupenden Indonesier verrückt machen lassen. Da dieser nicht nur die anderen Verkehrsteilnehmer, sondern auch besagte Ampeln als Verkehrshindernis betrachtet, hupt er auch dann wie ein Berserker, wenn die Ampel zu seinen Ungunsten auf Rot steht. Wenn es hilft...
Letzteres wird an jeder Ecke als Mitfahrgelegenheit angeboten, sollte aber gemieden werden; die Art und Weise, wie hier auf zwei Rädern eigenverantwortliche Selbstgefährdung betrieben wird, ist nichts für schwache Nerven. Selbst die Taxifahrer, also die Rüpel unter den Vierradfahrern, sehen die Motorradfahrer als größtes Problem im Straßenverkehr an. Die meisten Unfälle passieren dementsprechend unter Beteiligung der Motorradfahrer; und wenn die mit einem Transjakarta-Bus kollidieren, dann ist der Ausgang in der Regel nicht gerade glimpflich.
Die Stadt wimmelt nur so vor Taxis, manchmal hat man das Gefühl, hier kommt auf jeden Einwohner ein Taxi. Die meisten Strecken wird man dann auch mit dem Taxi zurücklegen, da Taxifahren für unsere Verhältnisse mit 6.000 IDR (ca. 0,40 €) für den ersten Kilometer und 300 IDR (ca. 0,02 €) für je 100 Meter nach dem ersten Kilometer spottbillig ist. Allerdings muss man hier auf zwei Dinge achten: Zum einen sollte man tatsächlich, wie in sämtlichen Reiseführern empfohlen, nur auf die Taxis der Blue Bird Group zurückgreifen (laut Einheimischen sind auch die Taxis von Taxi Express akzeptabel). Viele der anderen Taxiunternehmen haben entweder kein Taxameter bzw. keine wirklich verkehrstauglichen Autos und Fahrer. Nach übereinstimmenden Berichten fahren die Fahrer oft riesige Umwege oder lassen einen irgendwo raus, wo man gar nicht hin wollte; die Straßennamen der kleineren und auch mittelgroßen Straßen zu kennen scheint ein Glücksfall zu sein. Die Blue Birds hingegen sind in der Regel zuverlässig. Da aber auch diese Taxifahrer nicht jede Straße oder Gegend in Jakarta kennen (können), sollte man zum anderen auch selbst eine räumliche Vorstellung davon haben, wo es denn hingehen soll. Daher kann ich nur empfehlen, immer eine Karte dabei zu haben, um dem Fahrer ein wenig auf die Sprünge helfen zu können. Dass hier jemand beim ersten Anfragen offen zugibt, dass er den Weg nicht kennt, ist selten (mir nur einmal passiert). Das kann schonmal dazu führen, dass man dem Taxifahrer als Neuankömmling in Jakarta mit Händen und Füßen den Weg weist. Die oben genannten Preise gelten tatsächlich nur für die Blue Birds, das sind die blauen Taxis der Blue Bird Group. Wer es komfortabler haben möchte, bekommt von diesem Unternehmen auch Silver Birds angeboten. Diese schwarzen Mercedes-Limousinen kosten ca. 50% mehr, als Mercedes-Fan im doppelten Sinn weiß ich den zusätzlichen Luxus jedoch von Zeit zu Zeit zu schätzen...
In und um Jakarta kommt man auch sehr gut mit Bussen an sein Ziel. Da ich bei weitem noch nicht das Busnetz erfasst habe, beschränke ich mich hier zunächst auf die Transjakarta-Busse. Da man eingesehen hat, dass der Straßenverkehr und auch der ÖPNV nicht mehr funktionierte, wurden vor ca. 5 Jahren die Transjakarta-Buslinien eingeführt. Diese modernen Busse haben eine eigene Spur und fahren daher (bis auf die Kreisverkehre) an jedem Stau vorbei. In die Busse, die den Einstieg ca. einen Meter über dem Boden haben, gelangt man über Bussteige in der Mitte der Fahrbahn. Die Busse folgen keinem festen zeitlichen Fahrplan, man wartet aber selten länger als zwei bis drei Minuten. Die Fahrt im gesamten Streckennetz kostet einheitlich 3.500 IDR (ca. 0,25 €). Da das System als Erfolg angesehen wird, wird das bestehende Netz aus zurzeit acht Linien stetig ausgebaut, derzeit sind weitere sechs Linien in Planung.
Zum Verkehr im Allgemeinen ist zu sagen, dass Verkehrsregeln, wie wir sie kennen, zwar auf dem Papier existieren, faktisch aber außer Kraft gesetzt sind. Hier werden eigentlich nur zwei Regeln angewandt: Man hält tatsächlich an roten Ampeln und jeder Verkehrsteilnehmer ist für den Bereich vor sich zuständig, dass heisst in den Rückspiegel sehen ist hier nicht drin. Als Fußgänger muss man mit der Zeit feststellen, wie dreist man auf die Straße gehen kann, ohne umgenietet zu werden; das ist Erfahrungssache und stellt sich nach ein paar Tagen ein. Dabei darf man sich nicht vom wild hupenden Indonesier verrückt machen lassen. Da dieser nicht nur die anderen Verkehrsteilnehmer, sondern auch besagte Ampeln als Verkehrshindernis betrachtet, hupt er auch dann wie ein Berserker, wenn die Ampel zu seinen Ungunsten auf Rot steht. Wenn es hilft...
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