Sonntag, 5. April 2009

Tage 2 bis 4 - Erste Eindrücke

Wer nach Jakarta kommt, wird erstmal überwältigt sein, „Das gibt es doch nicht!“ ist der Gedanke, der einem am häufigsten durch den Kopf geht. Um sich eine Vorstellung von der Größe Jakartas zu machen, muss man wissen, dass Jakarta und die kaum mehr als solchen zu erkennenden Satellitenstädte so viele Einwohner hat wie ganz NRW, also knapp 20 Millionen. Der dafür zur Verfügung stehende Raum ist jedoch wesentlich geringer, unbebaute Fläche gibt es hier praktisch nicht.
Jakarta ist definitiv eine dreckige Stadt, wie man es in Europa vielleicht noch von Neapel kennt. Das Erstaunliche ist, dass hier extrem saubere Luxushotels Wand an Wand mit slumähnlichen Hütten stehen. Ich habe mich für die ersten drei Tage in Jakarta im Hotel Ibis Arcadia einquartiert, einem Mittelklassehotel mit allerdings gutem Service. Das Hotel selbst ist sehr sauber und bietet mit einem 24-Stunden Zimmerservice (Essen, Trinken, Massage) eigentlich alles, was das Herz begehrt. In Deutschland wäre es undenkbar, aus dem Fenster im vierten Stock (da hier bei 1 zu zählen begonnen wird, ist es hier der fünfte Stock) auf verdreckte Blechhütten zu sehen, hier ist das völlig normal. Eine räumliche Trennung zwischen Arm und Reich findet zumindest im Innenstadtbereich überhaupt nicht statt. Dennoch kann man ungestört durch die Stadt laufen, angebettelt zu werden ist extrem selten. Auch wird man praktisch nicht von den Inhabern von mobilen Fressbuden angesprochen, da sie wissen, dass wir Westler dort ohnehin nichts essen wollten und auch nicht sollten, dafür sind unsere Immunsysteme einfach nicht geeignet. Die Straßenverkäufer halten zwar schon mal gerne ihre Waren entgegen, sind aber sofort (!) wieder weg, wenn man freundlich lächelnd abwinkt. Aufdringlich sind hier nur die Taxifahrer. Da Jakarta die wohl fußgängerfeindlichste Siedlung der Welt ist und Taxifahren nach unseren Maßstäben unglaublich billig ist (der erste Kilometer ca. 40 Cent, danach jeder weitere Kilometer ca. 20 Cent), sitzt man täglich öfters im Taxi. Wer hier längere Strecken zu Fuß geht, muss hier damit rechnen, ausgelacht zu werden (von Einheimischen und Zugewanderten, „Was, Du willst wirklichen 1,5 Kilometer zu Fuß gehen, bist Du krank?“). Die Zahl der Taxen (gewerblich wie privat) ist immens, man sollte jedoch ausschließlich die Taxen der Blue-Bird-Gruppe nehmen, da diese Fahrer als zuverlässig ausgewiesen sind, die Politik dieses Unternehmens ist es, bei Kundenbeschwerden den Fahrer direkt zu maßregeln, wobei man sich darüber im Klaren sein muss, dass Indonesien ein Rechtsstaat ist und deren Arbeitsrecht dem Deutschen gar nicht so entfernt ist (achja: hier gibt es den Mindestlohn, der mit 1.000.000 IDR im Monat [also ca. 65 €] ziemlich gering ausfällt). Als an meinem zweiten Tag der Taxifahrer, was passieren kann, die Ausfahrt aus dem Kreisverkehr nicht erwischt hat, hat er sich bis zum Fahrtende permanent entschuldigt. Zu dem bisher Gesagten passt auch, dass es in Jakarta unglaublich friedlich zugeht, Gewalt untereinander oder gar gegen Ausländer gibt es praktisch nicht. Der ständige Vertreter des Botschafters drückte es mit den Worten „Der Indonesier hat einfach keinen Hang zur Aggressivität“ aus, und das ist wohl der Kern der Sache. Obwohl Jakarta eigentlich ein sozialer Brennpunkt ist, habe ich es in den drei Tagen vor Ort noch nicht erlebt, dass hier irgendjemand auch nur ansatzweise aggressiv geworden ist.
Wie bereits angedeutet ist Jakarta verkehrstechnisch eine Katastrophe, da vollkommen überlastet. Die schnellste Fortbewegungsmethode ist der Transjakarta-Bus, da er eine eigene Spur hat und damit keine Staugefahr besteht. Ansonsten sind die Straßen mit Horden von Motoradfahrern, Taxen, Bussen und Privat-PKWs vollkommen überfüllt. Das Verkehrszentrum stellt der Plaza Indonesia dar, der ungefähr 45-60 Minuten vom Flughafen entfernt ist. Dort ist nicht nur die beste Mall Jakartas (und vielleicht der Welt, später mehr dazu) heimisch, sondern auch die deutsche Botschaft.
Angrenzend an die Mall ist ein wiederum sehr ärmliches Wohngebiet, in dem ich mir heute meine Wohnung gemietet habe. Dies wiederum befindet sich in einem Neubau und ist mit Wäscherei-, und Putz-Service, hat einen modernen Fernseher, Kühlschrank, Doppelbett und eine Internet-Flatrate. Vor zwei Tagen wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, in einer solchen Gegend eine Wohnung zu suchen, allerdings wurde dieses „Kos“ (im Englischen: „serviced apartment“) von der Außenhandelskammer empfohlen und wie gesagt, der Indonesier an sich mag bettelarm sein, er ist einfach nicht aggressiv. Auf dem ca. zweiminütigen Fußweg bis zur Mall wird man angelächelt, aber in keiner Weise bedrängt. Die Managerin, Frau Santi, ist ein höflicher Mensch und hat sich kaum getraut, mir die jetzt bezogene Wohnung anzubieten, da sie wohl der Ansicht war, sie wäre zu groß und daher zu teuer für eine Person. Daher bot sie mir zuerst ein ca. 8qm großes Zimmer für 1,5 Millionen Rupie im Monat an. Bei dem zurzeit recht günstigen Wechselkurs (in der Hinsicht ist die Eurozone absoluter Krisengewinner, schlecht allerdings für die Exportwirtschaft) sind das knapp 100 € inklusive täglichem Putzen des Raums und Waschen von 2 Kleidungsstücken. Als ich sie darauf hingewiesen habe, dass meine Freundin noch kommen würde, hat sie mir dann das jetzt bezogene Appartement angeboten. Neben einem großen Bett habe ich jetzt auch einen wirklich großen Arbeitsplatz, TV und einen Kühlschrank, der vor meinen Augen ausgepackt und aufgestellt wurde. Da Mercedes ja auch den Wäscherei-Service in Anspruch nehmen wird, kommen zu den jetzt 190 € im Monat weitere 12 € für die zweite Person hinzu.
Dank der guten Lage kann ich jetzt tatsächlich zu Fuß zur Botschaft gehen, was hoffentlich dazu führen wird, dass ich ein wenig länger schlafen kann. Die Arbeitszeiten sind hier an die Verkehrszeiten gebunden, und die „zwingen“ die Botschaftsmitarbeiter dazu, von 7:15 Uhr bis 15 Uhr zu arbeiten. Es ist nämlich so, dass aufgrund der Schwemme an Autos etc. in der Zeit nach 7:15 Uhr bis mittags und wieder ab 16 Uhr Autos nur dann fahren dürfen, wenn neben dem Fahrer noch mindestens zwei weitere Insassen mit von der Partie sind. Für die meisten Mitarbeiter, die in der Regel im Grünen in den Außenbezirken wohnen (was für mich nicht in Frage kommt, da deren Wohnungen leider mindestens ein Jahr gemietet werden müssen und unmöbliert sind), natürlich unmöglich zu bewerkstelligen. Da der Verkehr hier wie gesagt unberechenbar ist, bin ich die ersten beiden Arbeitstage jeweils sehr früh ins Taxi gestiegen, so dass ich jeweils der erste Mitarbeiter vor Ort war. Wer mich kennt, weiß dass dies kein Zustand für mich ist.
Die Tage mehr über die Mall und die Restaurants in der Umgebung!

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